Die ersten Monate mit einem Welpen sind entscheidend für sein ganzes Leben. Mit den richtigen Trainingsmethoden legen Sie den Grundstein für einen gut erzogenen, glücklichen Hund.
Der richtige Zeitpunkt
Die Prägephase eines Welpen liegt zwischen der 3. und 16. Lebenswoche. In dieser Zeit lernt Ihr Welpe besonders schnell und legt wichtige Verhaltensweisen fest.
Wichtige Entwicklungsphasen
- 8-12 Wochen: Sozialisierungsphase - Kennenlernen von Menschen, Tieren, Umgebungen
- 12-16 Wochen: Rangordnungsphase - Grenzen setzen und Respekt aufbauen
- 16-20 Wochen: Pubertät beginnt - Konsequenz ist jetzt besonders wichtig
- Ab 6 Monate: Adoleszenz - Festigung der erlernten Kommandos
Grundausstattung für erfolgreiches Training
Bevor Sie mit dem Training beginnen, sollten Sie folgende Dinge bereitlegen:
- Belohnungen: Kleine, weiche Leckerlis (leicht zu kauen)
- Leine und Halsband: Gut sitzendes, verstellbares Welpengeschirr
- Spielzeug: Verschiedene Spielsachen als Belohnung
- Clicker: Für präzises Timing beim Training (optional)
- Geduld und Zeit: Die wichtigsten "Werkzeuge" überhaupt!
Die 5 wichtigsten Grundkommandos
1. "Sitz" - Das Fundament
Das erste und wichtigste Kommando. So bringen Sie es Ihrem Welpen bei:
- Halten Sie ein Leckerli über die Nase des Welpen
- Bewegen Sie es langsam nach hinten über den Kopf
- Der Welpe setzt sich automatisch, um dem Leckerli zu folgen
- Sobald sein Po den Boden berührt, sagen Sie "Sitz" und geben das Leckerli
- Loben Sie ausgiebig!
Profi-Tipp
Üben Sie "Sitz" mehrmals täglich für jeweils 2-3 Minuten. Kurze, häufige Trainingseinheiten sind effektiver als lange Sitzungen, die Ihren Welpen überfordern.
2. "Platz" - Ruhe und Entspannung
Besonders wichtig für Situationen, in denen Ihr Hund sich beruhigen soll:
- Beginnen Sie aus der Sitz-Position
- Führen Sie ein Leckerli vom Boden vor der Nase nach vorne
- Der Welpe folgt und legt sich hin
- Sagen Sie "Platz" und belohnen Sie sofort
- Halten Sie die Position zunächst nur kurz, dann länger
3. "Komm" / "Hier" - Lebenswichtiges Kommando
Der Rückruf kann Leben retten. Training:
- Beginnen Sie in ablenkungsarmer Umgebung
- Gehen Sie einige Schritte vom Welpen weg
- Rufen Sie fröhlich "Komm!" oder "Hier!" und zeigen Sie ein Leckerli
- Belohnen Sie überschwänglich, wenn er kommt
- Niemals schimpfen, wenn der Welpe kommt - auch wenn es gedauert hat!
Wichtig beim Rückruf
Rufen Sie Ihren Welpen NIEMALS, um ihn für etwas zu bestrafen! Der Rückruf muss immer positiv besetzt sein, sonst wird Ihr Hund zukünftig nicht mehr kommen.
4. "Bleib" - Impulskontrolle
Lehrt Geduld und Selbstbeherrschung:
- Bringen Sie den Welpen in Sitz oder Platz
- Sagen Sie "Bleib" mit Handzeichen (flache Hand)
- Gehen Sie einen Schritt zurück
- Kehren Sie sofort zurück und belohnen Sie
- Steigern Sie schrittweise Distanz und Dauer
5. "Aus" / "Nein" - Grenzen setzen
Essentiell für Sicherheit und Alltagstauglichkeit:
- Verwenden Sie ein klares, bestimmtes "Nein" oder "Aus"
- Unterbrechen Sie unerwünschtes Verhalten sofort
- Bieten Sie eine Alternative an (z.B. Spielzeug statt Schuhe kauen)
- Belohnen Sie, wenn der Welpe das richtige Verhalten zeigt
Sozialisierung - Mehr als nur Training
Sozialisierung ist genauso wichtig wie Kommandos. Ihr Welpe sollte kennenlernen:
Menschen und Tiere
- Menschen jeden Alters
- Menschen mit Hüten, Brillen, Rollstühlen
- Andere Hunde verschiedener Größen
- Katzen und andere Haustiere
- Kinder (unter Aufsicht)
Umgebungen und Situationen
- Verschiedene Untergründe (Gras, Asphalt, Kies)
- Auto fahren
- Öffentliche Verkehrsmittel
- Menschenmengen
- Tierarztbesuche
Sozialisierung richtig gemacht
- Positive Erfahrungen schaffen - niemals überfordern
- Jede neue Erfahrung mit Leckerlis und Lob verknüpfen
- Langsam steigern - nicht zu viel auf einmal
- Welpenschule besuchen für kontrollierten Hundekontakt
- Negative Erlebnisse vermeiden (z.B. aggressive Hunde)
Stubenreinheit - Geduld ist gefragt
Einer der wichtigsten Aspekte im Zusammenleben. So gelingt es:
Der Zeitplan
Bringen Sie Ihren Welpen nach draußen:
- Sofort nach dem Aufwachen
- Nach jeder Mahlzeit (15-30 Minuten später)
- Nach dem Spielen
- Vor dem Schlafengehen
- Alle 1-2 Stunden zwischendurch
Die Methode
- Gehen Sie immer zur selben Stelle
- Verwenden Sie ein Signalwort wie "Mach Pipi"
- Warten Sie geduldig
- Loben Sie überschwänglich nach jedem erfolgreichen Geschäft
- Bei "Unfällen" im Haus: Nicht schimpfen! Einfach draußen weitermachen
Profi-Tipp
Führen Sie ein "Pipi-Tagebuch": Notieren Sie, wann Ihr Welpe sein Geschäft verrichtet. So erkennen Sie Muster und können Missgeschicke vermeiden. Die meisten Welpen sind mit 16-20 Wochen stubenrein.
Leinenführigkeit
Ein entspannter Spaziergang ohne Ziehen ist das Ziel:
Schritte zur Leinenführigkeit
- Gewöhnung: Lassen Sie den Welpen Halsband/Geschirr im Haus tragen
- Leine akzeptieren: Leine anhängen und dem Welpen folgen
- Richtige Richtung: Locken Sie den Welpen mit Leckerlis neben sich
- Belohnung: Geben Sie Leckerlis, solange die Leine locker ist
- Bei Ziehen: Stehen bleiben oder Richtung ändern
Häufiger Fehler
Geben Sie nicht nach, wenn der Welpe zieht! Jedes Mal, wenn Sie weitergehen während er zieht, lernt er: "Ziehen funktioniert". Bleiben Sie konsequent.
Unerwünschtes Verhalten korrigieren
Beißen und Zwicken
Welpen erkunden die Welt mit dem Maul. So stoppen Sie übermäßiges Beißen:
- Bei zu festem Biss: Laut "Aua!" sagen und Spiel sofort beenden
- Ignorieren Sie den Welpen für 1-2 Minuten
- Bieten Sie Kauspielzeug als Alternative
- Belohnen Sie sanftes Spielen
- Niemals grob zurückbeißen oder anschreien
Hochspringen
Süß bei Welpen, störend bei ausgewachsenen Hunden:
- Ignorieren Sie den Welpen, wenn er hochspringt
- Drehen Sie sich weg, verschränken Sie die Arme
- Erst Aufmerksamkeit geben, wenn alle Pfoten am Boden sind
- Bringen Sie "Sitz" bei der Begrüßung bei
- Alle Familienmitglieder müssen konsequent sein
Bellen
Ein gewisses Maß ist normal, übermäßiges Bellen sollte unterbunden werden:
- Finden Sie die Ursache (Langeweile, Angst, Territorialverhalten)
- Trainieren Sie das "Ruhe"-Kommando
- Belohnen Sie ruhiges Verhalten
- Ignorieren Sie Aufmerksamkeitsbellen
- Sorgen Sie für ausreichend Bewegung und geistige Auslastung
Mentale Auslastung
Ein müder Kopf ist genauso wichtig wie ein müder Körper:
- Suchspiele: Leckerlis oder Spielzeug verstecken
- Intelligenzspielzeug: Kong, Snackbälle, Fummelbretter
- Neue Tricks: "Gib Pfote", "Rolle", "Dreh dich"
- Nasenarbeit: Fährten legen und folgen lassen
- Wechselnde Routen: Verschiedene Spazierwege erkunden
Häufige Fehler vermeiden
Diese Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden:
- Inkonsequenz: Mal erlauben, mal verbieten verwirrt den Welpen
- Zu lange Trainingseinheiten: Welpen können sich max. 5-10 Minuten konzentrieren
- Zu viel auf einmal: Fokussieren Sie sich auf 1-2 Kommandos gleichzeitig
- Strafe statt Belohnung: Positive Verstärkung ist wesentlich effektiver
- Zu hohe Erwartungen: Ihr Welpe ist ein Baby - Geduld ist essentiell
- Soziale Isolation: Mangelnde Sozialisierung führt zu Verhaltensproblemen
Trainingsplan für die ersten Wochen
Woche 1-2 (8-10 Wochen alt)
- Eingewöhnung ins neue Zuhause
- Namen lernen
- Stubenreinheitstraining beginnen
- An Halsband/Geschirr gewöhnen
- Erste positive Erfahrungen sammeln
Woche 3-4 (11-12 Wochen alt)
- "Sitz" und "Komm" einführen
- Leinentraining beginnen
- Welpenschule besuchen
- Sozialisierung intensivieren
- Beißhemmung trainieren
Woche 5-8 (13-16 Wochen alt)
- "Platz" und "Bleib" hinzufügen
- Leinenführigkeit festigen
- Längere Spaziergänge (5 Min. pro Lebensmonat)
- Impulskontrolle üben
- Erste Tricks beibringen
Erfolge feiern
Welpentraining ist eine Reise, kein Sprint. Feiern Sie jeden kleinen Fortschritt:
- Dokumentieren Sie Meilensteine (erstes "Sitz", erster Tag ohne Unfall)
- Seien Sie geduldig mit Rückschlägen - sie sind normal
- Genießen Sie die Welpenzeit - sie geht schnell vorbei
- Suchen Sie professionelle Hilfe bei Schwierigkeiten
- Bauen Sie eine starke Bindung auf durch gemeinsame positive Erlebnisse
Fazit
Welpentraining erfordert Zeit, Geduld und Konsequenz, aber die Investition lohnt sich. Ein gut erzogener Hund ist ein glücklicher Hund und macht das Zusammenleben harmonisch und erfüllend.
Denken Sie daran: Jeder Welpe lernt in seinem eigenen Tempo. Vergleichen Sie nicht mit anderen und bleiben Sie positiv. Mit Liebe, Geduld und den richtigen Methoden wird aus Ihrem Welpen ein wunderbar erzogener Begleiter!
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